Archiv für den Monat: November 2017

Madas VIIe TS Semis

SHBS Mitglieder stellen Ihre Sammlung vor

Heute: die Madas VIIe TS Semis, vorgestellt von Gérard Schmid

9-7-12 Madas VIIe TS Semis 10743 (1927), Sammlung G. Schmid 2017

Die Langen Madas von H.W. Egli, Wollishofen haben in der Geschichte der mechanischen Rechenmaschinen unbestrittene Meilensteine gesetzt.

1913 ist es Egli gelungen, die erste Rechenmaschine, die automatisch dividieren kann, zu kommerzialisieren. Die Schlüsselfigur hinter diesem Meisterwerk war der Erfinder Erwin Jahnz.

1927 brachte die Firma Egli eine bahnbrechende Rechenmaschine auf den Markt, die, nicht nur dividieren, sondern auch automatisch multiplizieren konnte, den legendären VIIe T Tomis Superautomaten. Die Schlüsselfigur hinter diesem zweiten Meisterwerk war der Erfinder Heinrich Suter; ein mysteriöser hochbegabter Mechaniker von Horgen, von dem man heute im Wesentlichen nur seine Unterschrift unter sechsundzwanzig Patenten kennt.

Nachdem Heinrich Suter mit der Tomis, die Geschichte der Langen Madas zum Höhepunkt gebracht hatte, öffnete er, anfangs der dreissiger Jahre, den Weg zu der grossartigen neuen Generation des vollautomatischen Portablen der Serie A. Seine mythische Triplex 20AT von 1935 ist für die meisten Rechenmaschinen Sammler ein Begriff.

Danach hatten die Langen Madas immer mehr Mühe neben den neuen Portablen der Serie A zu überleben, bis sie nicht mehr mit der neuen Technologie Schritt halten konnten. Ihr Trost: sie wurden als hoch begehrte Sammler Objekte für immer promoviert.

Die Agentur „The Imperial Import Company, Amsterdam“ bot 1934 die halb automatische VIIe TS Semis immer noch an. Es ist auch bemerkenswert, dass die Ur-Eglis „Millionair Rekenmachines“ von 1895 immer noch auf Wunsch bestellbar waren ! Bildquelle: Sammlung Michael Lewin, Darmstadt

Heinrich Suter war ein vorsichtiger Mechaniker. Um Kinderkrankheiten bei seiner neuen Kreation möglichst zu vermeiden, operierte er immer sequenziell. Ein Jahr zuvor teste er ein paar Grund Ideen von seinem Superautomaten, mit einer halb automatischen multiplizierenden Maschine, eben dieser VIIe TS Semis.

Eine Glanzleistung war, dass er diese neue mechanische Komplexität in dem exakten ursprünglichen 49 x 25 cm Standard Format von der 9-7-12 Langen Madas unterbringen konnte. Der Staffelwalzen Rechnerblock, der Schlitten, sowie die Tastatur sind grundsätzlich die originalen modularen Komponenten der Malta von 1922.

Wie war das möglich ?

Dabei konnte er eine sehr vorteilhafte Konstruktion Topologie der Malta für seine Zwecke geschickt ausnützen. In der Tat, der Rechnerblock der Malta lässt, unten dem Division Mechanismus, einen idealen Raum von 12 x 7.5 x 5 cm völlig frei, um die Multiplikation Steuermechanik unterzubringen !

Ohne diesen glücklichen Umstand, wäre es nie möglich gewesen, die Semi-und Super Automaten auf die historische modulare Linie von den Langen Madas Modellen zu bauen, was zweifellos erhebliche Herstellungskosten Senkungen für die neuartigen Maschinen brachte.

Zusammengefasst, die wichtigste Voraussetzung war vorhanden; es brauchte nur noch einen genialen Mechaniker.

Links: Der wertvolle freie Raum unter der Division Steuermechanik einer Malta, der Heinrich Suter erlaubte, die Multiplikation Tastatur der Semis unterzubringen. Bild: VII T Malta 11386
Rechts: Die einzigartige Sequenz der zwei verschobenen Zahlenreihen der Multiplikation Tastatur der Semis 10743.

Der Schlitten der halb automatischen Semis kann sich nicht selbstständig nach rechts bewegen. Es fehlt ihm die nötige rechts ziehende Spiralzugfeder Einrichtung, eine Einmaligkeit der Tomis Superautomaten.

Aus diesem Grund muss der Schlitten bei der Ausführung einer halb automatischen Multiplikation, nach rechts manuell stufenweise mit der linken Klemme, entsprechend der Anzahl der Dezimalen des Multiplikators verschoben werden. Der Multiplikand wird auf die Haupttastatur und der Multiplikator auf die Multiplikation Tastatur eingetippt. Bei jedem Drücken auf die Multiplikation Tastatur aktiviert eine Rückkopplung Stange den Betrieb Schalter. Der Schlitten bewegt sich dann selbstständig schrittweise nach links. Das Resultat der Multiplikation erscheint auf dem Hauptregister. Der eingetippte Multiplikator erscheint auf dem Umdrehung Zählwerk.

Aussen Rückkopplung Drehstange zwischen der Multiplikation Tastatur und dem Betrieb Kupplung Schalter, eine Entwicklung von Heinrich Suter für seine Semi-und Superautomaten
Hat einmal die Semis 10743 dem berühmten Pionier Schreibmaschinen Mechaniker Louis-Marius Campiche (1868-1939) gehört ? L-M Campiche hatte in Lausanne die Hauptvertretung der Hermès Schreibmaschinen von Paillard. Recherchen von G. Sommeregger haben gezeigt, dass er auch Viktor sowie Marchant Rechenmaschinen verkaufte. Hinweise, dass er Madas Rechenmaschinen vertrat, gibt es aber nicht. Bei der Geschäftsübernahme durch die Erben wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft (L.M. Campiche S.A.) umgewandelt. Der Schild wurde nach 1939 auf eine Maschine aufgeschraubt, die 1926 gebaut worden ist. Siehe G. Sommeregger: https://typewriters.ch/Switzerland/louis-marius_campiche.html

 

Der unverkennbare Aussenbord Motor sämtlicher elektrischen Madas, die vor 1927 gebaut worden sind.
Die VIIe TS Semis 10743 ist auch der Stolz meines treuen Mitarbeiters. Er bemängelt aber immer wieder ihren hohen Lärmpegel.

Die halb automatische Semis ist eine elektrische Lange Madas mit allen Eigenschaften der Maschinen der Firma H.W. Egli. Sie ist massiv, robust, nachhaltig und sehr laut. Die starken Vibrationen bei der Durchführung einer semi-automatischen Multiplikation sind aber nicht in der Lage, die 20 kg schwere Maschine auf einem Tisch ins Rutschen zu bringen !

Addendum

Mein langjähriger Mitarbeiter möchte noch kurz auf die Erscheinung des ersten Buches über A.W. Egli von Gérald Saudan hinweisen, eines bemerkenswerten Nachschlagewerkes über die Geschichte der Firma und den Maschinen von Wollishofen.

Dieses hochqualitative Buch ist für den Preis von 29.- Fr plus Versandkosten, auf der Webseite des Autors, madas.ch, im Menü unter „The Book“ zu bestellen.

(Format A4, 144 Seiten, Englisch, mit sehr vielen neuen Erkenntnissen, sowie packenden historischen und technischen Photographien !)

Vielen Dank an Gérard für diesen Beitrag, und Herrn Lewin für das Zur-Verfügung-Stellen der Fotos der Ausstellung!

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