SHBS Hock Juli 2016

An einem heissen Sommertag, im Juli…

Die Speerspitze des Vereins traf sich bei bestem Wetter auf der Terrasse des Gasthofs Schönbühl. Besser konnte der Juli nicht beginnen, und das Thema “Reiseschreibmaschinen” war gut gewählt. Bevor es zu Tisch ging, klapperte es dann auch fröhlich auf zwei Hermes Babys, einer Rooy und etwas weniger auf einer Carissima, denn die musste erst vor Ort in den Service. Dazu genügten 4 Augen, und das Tischbesteck.

So genossen wir den lauen Abend, Speis und Trank, und schlicht das Zusammensein. Neben Schreib-, Rechen- und Chiffriermaschinen (ein eminenter Experte für letztere war anwesend, sein Name wird natürlich geheim gehalten) kreisten die Gespräche auch um Oldtimer. Denn siehe da, ein neuer Trend im Sammlerclub macht sich breit, nach dem eine steigende Anzahl von Mitgliedern einen solchen besitzt bzw. sich zulegt. Daran kann der neue Beisitzer Mäni Stöcklin, seines Zeichens auch hoher Würdenträger im Tatralino Club, nicht unschuldig sein. Kassier René Muster reiste denn auch stilgerecht in seinem Weltreise 2CV an, während André Hunziker seinen Traktor zu Hause liess. Sie sehen also, Reise Reise.

Wer von den p.t. Leser/innen vom Reisefieber gepackt ist, dem sei eine gute Fahrt gewünscht. Ansonsten sehen wir uns beim August Hock wieder.

Anbei einige Eindrücke unseres sympathischen Abends.

Bericht: Georg Sommeregger

P.S.: Kennen Sie den Witz vom Lindwurm? Fragen Sie den Stefan Beck.

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Riesenposter zur Computergeschichte

Eine Nachricht unseres Mitglieds Röbi Weiss:

Computerposter “Die Geschichte der digitalen Evolution”

“Das neue Poster ist da und könnte euch sehr interessieren. Ich habe vor allem die Vorgeschichte von den Ursprüngen der Zahlen, Schriften und der Rechenverfahren bis zur Geburt des PCs stark ausgebaut.”

© Robert Weiss 2016
© Robert Weiss 2016

SHBS Mitglieder bekommen einen Sonderpreis (25 statt 34 Fr.)!

Lesen Sie mehr: http://www.fotointern.ch/archiv/2016/05/19/zweieinhalb-meter-geschichte-der-digitalen-evolution-das-neue-weissposter-ist-da/

Lesung von Frau Reh im Museum Beck

Bericht zur Lesung von Frau Reh am 27. Mai 2016 im Schreibmaschinenmuseum Beck, mit Dank an Jürgen Moser! Herzlichen Dank an Mägi und Stefan Beck und Frau Reh.

“Das Geheimnis des alten Sekretärs

von Jürgen Moser

Das Schreibmaschinenmuseum Beck in Pfäffikon ZH, das ja in erster Linie mit seinen mechanischen Geräten aus der antiken Bürowelt die Besucherinnen und Besucher lockt, lud für einmal zu einem Anlass der besonderen Art. Angesagt war am vergangenen Freitagabend eine Lesung mit Christine Reh, die Kostproben aus ihrem Erstlingswerk “Das Geheimnis des alten Sekretärs” vortrug.

Die Autorin, eine ebenso bodenständige wie hellwache Mutter von zwei erwachsenen Kindern, hat innert zwei Jahren einen beachtlichen Roman von über 400 Seiten geschaffen – notabene neben ihrem Volljob als Stationsleiterin in einem Alters- und Pflegeheim. Eine wahrlich grossartige Leistung, dessen Ergebnis nun also zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Und dies, obwohl Frau Reh, wie sie zu Beginn offen gestand, weder Erfahrung im Schreiben mitbrachte noch sattelfest in der Grammatik und Orthographie war.

© J. Moser 2016
© J. Moser 2016

Das Publikum, das gleichsam zur doppelten Premiere ins Museum geladen war, bestand einerseits aus Mitgliedern des Sammlerclubs Historischer Büromaschinen sowie andererseits aus literarisch Interessierten aus dem Bekanntenkreis der Autorin, wobei doch anzumerken ist, dass auch erstere der geistigen Ergötzung durchaus zugetan waren. Kurz: Es fanden sich rund 30 neugierige Personen ein, die gespannt auf den ersten Auftritt von Christine Reh als Schriftstellerin warteten. Mit etwas Verspätung, die dank der ausgezeichneten Bewirtung und angeregter Gespräche jedoch kaum zur Kenntnis genommen wurde, ging’s um halb acht richtig zur Sache.

© J. Moser 2016
© J. Moser 2016

Die Story

Die Liebesgeschichte – sie könnte auch als prägnantes Zeit- und Sittengemälde bezeichnet werden –, setzt im ersten Dezennium des letzten Jahrhunderts ein. Man schreibt das Jahr 1907, als sich Eugen, ein 24-jähriger aufgeweckter und nachdenklicher Jüngling aus Flawil, entschliesst, aufgrund der schwierigen ökonomischen Verhältnisse und angesichts der geringen Berufschancen nach New York auszuwandern. Er ist voller Hoffnung, dort mit Unterstützung seiner Tante bei der Schreibmaschinenmanufaktur Remington AG eine Lehrstelle als Kaufmann zu finden und gleichzeitig das Land der unbegrenzten Möglichkeiten kennen zu lernen. Ein zehrender Wunsch fürwahr, zugleich jedoch ein schmerzvolles Dilemma. Denn soll er sich deswegen bereits wieder schweren Herzens von seiner grossen Liebe trennen, von Hermine, einem feinfühligen und fleissigen Au-pair-Mädchen, das als Haushalthilfe in St. Gallen arbeitet und mit dem er erst vor wenigen Wochen Bekanntschaft gemacht hat?

Und just während dieses aufwühlenden Prozesses krachte der Himmel, und ein gewaltiges Gewitter entlud sich über Pfäffikon. Der Hagel prasselte auf das Dach des Museums, sodass man kein Wort mehr verstand und Frau Reh sich gezwungen sah, die Lesung abrupt zu unterbrechen.

Nach der erfrischenden Abkühlung konnte die Autorin den narrativen Faden einige Minuten später wieder aufnehmen, und weiter ging’s mit detaillierten Schilderungen von Eugens erwartungsvoller Überfahrt nach Amerika, seinen ungewohnten Aufgaben und Herausforderungen am neuen Arbeitsplatz sowie den vielen Entdeckungen in der grossen, lärmigen Metropole. Auf der andern Seite versuchte die zurückgelassene Hermine den Trennungsschmerz mit täglichen Verrichtungen und sorgfältiger Pflichterfüllung zu vergessen, welche die Erzählerin mit ebenso einfühlsamen wie akribischen Beschreibungen vor Augen führte.

© J. Moser 2016
© J. Moser 2016

Dies alles teilte sich das Liebespaar in unzähligen Postkarten und Billetdoux mit, wie auch den Kummer und die Sehnsucht nach dem weit entfernten Schatz. Doch plötzlich blieben die Briefe von Hermine aus: Die junge Frau war an Schwindsucht erkrankt und musste zur Kur in ein Sanatorium bei Chur. Eine harte und lange Bewährungsprobe stand dem jungen Paar bevor, da Hermine aus Angst und Scham ihre Krankheit verschwieg und Eugen vor lauter Ungewissheit fast verzweifelte.

Doch genau hier brach Frau Reh ihre Lesung wiederum jäh ab und fragte die Anwesenden mit provokantem Schalk: “Wird Hermine wieder gesund? Übersteht die Liebe der beiden die schwierige Situation? Werden sie gar heiraten? Tja, wenn ihr dies wissen wollt, dann müsst ihr halt das Buch lesen!”

Ein fast schon hinterhältiger Werbe-Flash, den Frau Reh als Abschluss der Lesung feilbot, aber ein äusserst raffinierter und wirkungsvoller, denn viele Zuhörerinnen und Zuhörer wollten unbedingt eine Antwort auf die brennenden Fragen und ein von der Autorin signiertes Exemplar, das sie, es sei geklagt, lediglich mit einem modernen Kugelschreiber (!) statt mit einer stilechten Füllfeder unterzeichnete.

© J. Moser 2016
© J. Moser 2016

Der reale Hintergrund des Romans

Aber wie kommt eigentlich eine bestandene und erfolgreiche Pflegefachfrau dazu, einfach mal so einen dicken Liebesroman zu schreiben? Durch Zufall, Fügung vielleicht? In der Tat, so hat es sich in etwa zugetragen, wie Frau Reh erzählte. Denn um die neue gemeinsame Wohnung mit einem antiken Möbelstück etwas aufzupeppen, haben sich Frau Reh und ihr Lebenspartner in Brockenhäusern nach dem besonderen Einrichtungsgegenstand umgeschaut, bis sie in Wila fündig wurden und einen alten Sekretär aufspürten. Bei der gründlichen Reinigung entdeckten sie dann ein Geheimfach, das mit Hunderten von Ansichtskarten und Briefen vollgestopft war, die alle aus der Zeit von 1907 bis 1920 stammten und die zarte, aber auch räumlich distanzierte Beziehung des Paares wiederspiegelt. Von der sehr privaten Korrespondenz fasziniert und inspiriert, machte sich die werdende Autorin daran, in unzähligen Stunden die riesige Fülle an historischen Details zu recherchieren, sei es hinsichtlich der häuslichen Wirtschaft, der damaligen Gewohnheiten und Bräuche oder bezüglich der Arbeitswelt und ihren technischen Errungenschaften, bis letztlich dieses ebenso bunte wie dichte erzählerische Gefüge der Belle Époque entstand.

Ob ihrer ungemein präzisen und minutiösen Erzählweise verwundert es kaum, dass Frau Reh für ihre erste Lesung auch eine entsprechende Plattform haben musste, die sie im Schreibmaschinenmuseum fand, welches zweifellos das passende Ambiente bot.

Und so bleibt, nach dem bereichernden und gelungenen Abend, nur noch die Frage: Frau Reh, wann gehen Sie bitte wieder auf Suche nach einem neuen alten Sekretär?”