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Ausstellung Hermes Baby in Lausanne

Am Samstag 12. September 2015 wurde mit einer wunderschönen Feier die Sonderausstellung „Hermes Baby“ im Musée de la machine à écrire in Lausanne eröffnet. Jacques und Marie Perrier hatten alle Hebel in Bewegung gesetzt, um diese Vernissage zu einem EREIGNIS zu machen.

Und das war es dann auch: aus allen Richtungen strömten Alt & Jung in die Av. de France 20, um am Hoffest teilzunehmen. Neben der exzellenten Verköstigung standen auf dem Programm: Schreibmaschinenwettschreiben, Führungen durch das Museum, Geschichtenerzählen im Museum, sowie Schreibmaschinenweitwerfen. Das alles bei schönstem Wetter, bis gegen Abend dann doch der Himmel seine Schleusen öffnete, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Im Gegenteil: an dieses Fest werden alle Teilnehmenden noch lange und mit grosser Freude zurückdenken.

Das Wettschreiben wurde ob des grossen Erfolgs mehrmals durchgeführt, zu drei Zeitpunkten mit jeweils zwei Durchgängen zu fünf Minuten. Die Führungen durch das Museum rissen nicht ab, immer wieder kamen neue Besucher, um den kundigen Ausführungen von Jacques zu lauschen. Einmal durfte der Unterzeichnete einspringen.

Ausgestellt sind in aktuell neben der ständigen Sammlung, die an sich schon beeindruckend ist und allein den Besuch im Museum lohnen, ein Überblick der gesamten Produktion der Traditionsfirma Paillard, die neben den Büromaschinen von Paillard auch die Filmkameras von Bolex, Plattenspieler von Thorens und die Rechenmaschinen von Precisa umfasste. Von all diesen Produkten ist ein Beispiel in der Ausstellung vertreten, sodass man einen Eindruck der einstigen Grösse dieser global agierenden Firma bekommt.

Die Sonderausstellung „Hermes Baby. Zum 80. Geburtstag“ wurde vom Schreibmaschinenmuseum in Zusammenarbeit mit G. Sommeregger (typewriters.ch) erarbeitet. Gegen 30 Modellvarianten aus der 50jährigen Produktionsgeschichte dieser sensationell erfolgreichen Portable Schreibmaschine sind ausgestellt, darunter Modelle aus England, Italien, Frankreich, Polen, Deutschland, Brasilien, und natürlich der Schweiz. Auch Exemplare mit „exotischen“ Tastaturen wie Griechisch, Russisch und Hebräisch sind ausgestellt. Extra für die Ausstellung wurde eine französische und verbesserte Version des Hermes Baby Stammbaums erarbeitet, den die Besucher auch erwerben können.

So sind Sie, werter Leser, werte Leserin, denn eingeladen, sich in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten nach Lausanne zu begeben, um sich von der Geschichte der Hermes-Paillard unter fachkundiger Führung von Jacques Perrier bezaubern zu lassen.

G. Sommeregger

Vernissage de l'exposition Hermes au Musée de la machine à écrire (Collection Perrier), Lausanne, 12 septembre 2015.
Vernissage de l’exposition Hermes au Musée de la machine à écrire (Collection Perrier), Lausanne, 12 septembre 2015.
Vernissage de l'exposition Hermes au Musée de la machine à écrire (Collection Perrier), Lausanne, 12 septembre 2015.
Vernissage de l’exposition Hermes au Musée de la machine à écrire (Collection Perrier), Lausanne, 12 septembre 2015.
Vernissage de l'exposition Hermes au Musée de la machine à écrire (Collection Perrier), Lausanne, 12 septembre 2015.
Vernissage de l’exposition Hermes au Musée de la machine à écrire (Collection Perrier), Lausanne, 12 septembre 2015.
Vernissage de l'exposition Hermes au Musée de la machine à écrire (Collection Perrier), Lausanne, 12 septembre 2015.
Vernissage de l’exposition Hermes au Musée de la machine à écrire (Collection Perrier), Lausanne, 12 septembre 2015.
Vernissage de l'exposition Hermes au Musée de la machine à écrire (Collection Perrier), Lausanne, 12 septembre 2015.
Vernissage de l’exposition Hermes au Musée de la machine à écrire (Collection Perrier), Lausanne, 12 septembre 2015.
Vernissage de l'exposition Hermes au Musée de la machine à écrire (Collection Perrier), Lausanne, 12 septembre 2015.
Vernissage de l’exposition Hermes au Musée de la machine à écrire (Collection Perrier), Lausanne, 12 septembre 2015.
Vernissage de l'exposition Hermes au Musée de la machine à écrire (Collection Perrier), Lausanne, 12 septembre 2015.
Vernissage de l’exposition Hermes au Musée de la machine à écrire (Collection Perrier), Lausanne, 12 septembre 2015.
Vernissage de l'exposition Hermes au Musée de la machine à écrire (Collection Perrier), Lausanne, 12 septembre 2015.
Vernissage de l’exposition Hermes au Musée de la machine à écrire (Collection Perrier), Lausanne, 12 septembre 2015.

Max Schnellmann zum 80. Geburtstag der Hermes Baby

SHBS-Mitglied Max Schnellmann hat sich zum 80. Geburtstag der Hermes Baby mit dem Marchanzeiger unterhalten (Marchanzeiger vom 5. August 2015).

Finden Sie anbei den Artikel im Marchanzeiger:

schnellmann_hermesinterview_08-2015

Hier die volle Version von Max, mit herzlichem Dank, diesen hier zur Verfügung gestellt zu haben:

„Max Schnellmann zum Thema:

Zum 80. Geburtstag der Hermes-Baby Schreibmaschine

Bereits im Jahre 1914 befasste sich die Firma Paillard SA, Fabrik für Feinmechanik in Yverdon (eine frühere Uhrenmanufaktur gegr. 1814) mit dem Studium zur Fabrikation von Schreibmaschinen. Diese Herstellung wurde jedoch durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges verzögert. Die ersten Modelle der Hermes-Schreibmaschine kamen im Jahre 1924 als Büromaschinen auf den Markt. Und als im Jahre 1932 der Mailänder Giuseppe Prezioso engagiert wurde, befasste sich die Firma auch mit der Herstellung von Kleinschreibmaschinen, u.a. der Hermes 2000, allerdings nur mit mässigem Erfolg, da im Markt bereits viele weltbekannte Anbieter vorhanden waren. Der Gedanke, eine neue Maschine zu konstruieren, die noch kleiner, leichter und billiger sein sollte, führte dann im Jahre 1935, nach den meisten Quellen durch Prezioso zur Konstruktion dieses Modells. Es stellte sich schnell heraus, dass auch der Name Hermes BABY gut vermarktet werden konnte.

Die neue Schreibmaschine wog nur 3,5 kg, war 28 x 28 cm gross und nur 4 cm hoch. Ein raffinierter Stahlkoffer mit Druckknopfschluss ermöglichte sogar die Schreibmaschine in einem Aktenkoffer zu versorgen. Die Maschine hatte Normaltastatur, d.h. war mit 42 Bakelittasten, d.h. 84 Schriftzeichen ausgerüstet, hatte ein 10 m langes Farbband und alle notwendigen Bedienungsmöglichkeiten. Beim 1. Modell diente der linke Walzendrehkopf noch als Zeilenschalter, wurde dann durch den einmaligen zusammenlegbaren Zeilenschalthebel ergänzt.

Die Baby führte schnell, auch zum Exportschlager, und die Schweiz wurde somit hinter USA und Deutschland zu einem grossen Exportland für Schreibmaschinen. Die Firma Paillard beschäftigte 1937 bereits 1000 Mitarbeiter. Die Herstellung dieser Kleinmaschine erfolgte im Werk des Stammhauses Ste. Croix, und kostete bei der Markteinführung Fr. 160.–. Sie wurde schnell zur weltweit beliebtesten, tragbaren Schreibmaschine. Selbstverständlich wurde das Modell stets weiterentwickelt, bekam auch farbliche Ergänzungen, und später in den 1970er Jahren auch den Tragekoffer aus Plastik und den Typenhebelentwirrer.

Insgesamt ist dieses Modell über 1 Million mal fabriziert worden. Sie wurde auch in Deutschland hergestellt und unter verschied. Lizenzen weltweit nachgebaut. Die Baby wurde auch zum Lieblingskind verschiedener Autoren wie John Steinbeck usw. und Max Frisch verewigte sie in seinem Roman „homo faber“.

Lachen, 31. Juli 2015“

Im Schaukasten seiner früheren Papeterie hat Max folgendes schönes Schaufenster zu Ehren der Hermes Baby gestaltet:

Schaukasten M. Schnellmann, Papeterie, Laufen.
Schaukasten M. Schnellmann, Papeterie, Laufen.